Kinder der Schlange

Orgien-Mysterientheater

Premiere: 02.12.2017 in der Jugendakademie Bad Segeberg
Marienstraße 31, 23795 Bad Segeberg

Weitere Aufführungen in der Jugendakadamie:

So, 03. 12.
Mo, 04. 12.

Fr, 08. 12.
Sa, 09. 12.
So, 10. 12.

Es spielen: Thomas Minnerop, Anna Bitter, Lydia Leerstelle, Ernst Strich, G.A. Beckmann

Technik: Max Kreft, Lydia Leerstelle

Musik: Christopher Ramm

Text und Regie: G.A. Beckmann

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Die Handlung von „Kinder der Schlange“ orientiert sich lose an Heiner Müllers „Philoktet“, der die Geschichte des aussätzigen Außenseiters erzählt, von dem angenommen wird, dass er als Anführer seiner Schar und mit Hilfe seines legendären Bogens Entscheidendes für den Ausgang des trojanischen Krieges leisten könnte. Aufgrund des unerträglichen Gestanks einer entzündeten Wunde und der anfänglichen Weigerung diese durch Amputation zu „heilen“, wird Philoktet zunächst durch den einflussreichen Odysseus dazu verurteilt auf der Insel Lemnos ins Exil zu gehen, da sonst die Moral der griechischen Truppen geschwächt würde. Entsprechend zynisch reagiert Philoktet auf die billigen Versuche von Odysseus und Neoptolemos, ihn nach einem Orakelspruch für den Krieg der Griechen zurückzugewinnen. In „Kinder der Schlange“ ist die bittere Pointe der Philoktet-Problematik, dass der Blutdurst des Philoktet über seinen Stolz siegt und er schlussendlich mithilft das Kriegsgeschehen weiterhin am Laufen zu halten – eine zynische Erfüllung der Überzeugung Heiner Müllers, dass der Stolz und Eigensinn des Einzelnden der höheren Idee untergeordnet werden solle. Der Konflikt zwischen Selbst und Sachzwang zeigt sich in den „Kindern“ besonders in der Figur des Odysseus. Odysseus selber handelt nur so gnadenlos (wie beispielsweise die Verbannung seines ehemaligen engen Genossen Philoktet), wie er es tut, um den Krieg, dessen auch er als Gallionsfigur der griechischen Truppen bereits müde ist, so schnell wie möglich zu einem Ende zu führen – natürlich mit einem Sieg der Griechen. Deren Lagerkoller ist allerdings dem Wahnsinn mittlerweile nicht mehr unähnlich und durchkreuzt wohldurchdachten Strategien des Odysseus ständig. So wird auch die nächste große Offensive auf die Stadt Troja misslingen und der Krieg wird noch brutaler und sinnloser, als er es ohnehin schon ist.