DIE PAULSENS sind zurück

 

g2g_die_paulsens_2_02Prekärer denn je und schärfer als die Realität. Nachdem Mama Daniela mit Onkel Harry und den vier Plagen 2015 aus dem Wedding weg-gentrifiziert wurde, ist die Großfamilie zurück. Mit Sendezeit im Assi-TV.

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Das Theaterkollektiv GIRL TO GUERILLA wagt die Fortsetzung seiner Performance die Paulsens aus dem Jahr 2015.

Für die begehbare Installation ziehen wir 96 Stunden ins Theater ein und erforschen, welchen Einfluss Reality Formate, auf unsere Gesellschaft haben…

tik_sued 12.5. bis 15.5.2016
Boxhagener Strasse 18
2. Hinterhof/ 3. Etage
10245 Berlin
Projekt unterstützen

Stilleben mit Jagdbeute – installative Performance

Eine Reise in komplett verschiedene Welten kann tausende Kilometer weit oder einfach um die nächste Ecke reichen. Gegensätze von arm oder reich und Staatsbürgern oder Flüchtenden können diese Welt bedeuten. Wie sehr ist unser Denken davon bestimmt? Und viel wichtiger: Wollen wir es hinnehmen, dass entfesselte neoliberale Politik uns Menschen zu Antagonisten macht? Stilleben mit Jagdbeute ist eine Versuchsanordnung, um zwischen den Menschen zu vermitteln. Zwischen Dir und mir… und den Anderen. Eine Koproduktion von Acker Stadt Palast und Girl to Guerilla.

Konzept:
Anete Colacioppo, Knife Knightbusch, Sophie Sarcander

Text:
Knife Knightbusch

Raum/Video/Installation:
zwek, Fabio Furtado, Knife Knightbusch

29.+30. Januar 2016 um 20 Uhr
im Acker Stadt Palast
Ackerstraße 169/170, Berlin
Tickets: 13,-/ 8,-

www.ackerstadtpalast.de

Onkel Krebs – Das Lachen der letzten Menschen

Manche behaupten: There is no alternative. Andere sagen: Entweder – Oder. Und manchmal da ist es schwer ihn zu finden, den dritten Weg. Manchmal, da fehlt einem die Sprache. Manchmal, da verfehlt die Sprache den Anderen. Manchmal passieren Dinge, weil der Mensch endlich ist. Manchmal sind die Verhältnisse nicht so, wie sie sein sollten. Manchmal gebiert die Nacht Ungeheuer. Die Hölle ? Das sind die Anderen ! Und manchmal kommen sie wieder.

Von und mit:
Sarah Stührenberg
Ernst Strich
Richard Haufe-Ahmels
Isa Eichmann
Torsten Eissrich
G.A. Beckmann

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17.01.2016 und 23.01.2016 im Theater im Kino Sued, Boxhagener Str. 18, Berlin

GlobexX – Das unternehmerische Selbst

Pressemitteilung des Theaterkollektivs Girl to Guerilla zum Spieltriebe 6 – Osnabrück 11.09.-13.09.2015

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Immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens werden privatisiert, verwirtschaftlicht. Die Gesundheitsversorgung, Bildung, Kunst und Kultur werden zu Märkten und damit ihrer eigentlichen Bedeutung beraubt. Um diesen Missstand zu thematisieren, suchte das Theaterkollektiv Girl to Guerilla nach einem neuen Bedeutungsraum und entwickelte eine Form Emersiven Theaters, bei der die Realität zur Bühne wird und Zuschauer, Theatermitarbeiter, Journalisten, Politiker etc. zu Akteuren werden. Es wurde ein Unternehmen namens GlobexX Europe erfunden, das eine Stiftung zur Kulturförderung, die GlobexX Art Foundation, nach Osnabrück schickt, um hier Investitionspotenziale abzustecken und zu vereinnahmen.

GlobexX existiert nicht wirklich, aber es gibt Unternehmen, die auf diese Weise funktionieren. Das möchten wir betonen.

Girl to Guerilla möchte dem Theater Osnabrück und seinen Zuschauern für die Möglichkeit, an diesem Experiment zu arbeiten, danken. Besonderer Dank gilt der Festivalleitung Maria Schneider, Anna Werner und Ralf Waldschmidt, sowie dem kaufmännischen Direktor Matthias Köhn.

Die komplette Meldung können sie hierals PDF herunterladen.

Reisparteitag

Terror und Spiel – Der Reisparteitag
„Skizze eines Manifests der Grausamkeit“

Die Theaterbühne des „Parteitags“ ist der utopische Ort, an dem Nietzsches „Fülle des Menschseins“ verwirklicht werden kann, da hier Tabu, das Verdrängte, das Leid, der Schrecken, die Trauer radikal gezeigt werden darf, während gleichzeitig ihre Transzendierung mittels der theatralen Situation stattfindet. Der „Parteitag“ fordert ein unbedingtes „Theater des Willens“ unter stetiger Selbstbefragung des Akteurs, die Bühne wird zur „Welt als Wille und Vorstellung“ und gleichzeitig offenbart sie durch ihre artifiziellisierende Rahmung der theatralen Verabredung zwischen Schauspielern und Zuschauern immer auch das seinshafte Selbstverständnis der Mitwirkenden (Schauspieler und Zuschauer).

 

Diese werden auf der Bühne (oder im Zuschauerraum) sowohl zum radikal autarken Individuum und zeigen andererseits, durch das Material, welches sie in die Improvisation bringen, wie stark sie dem gesellschaftlichen Narrativ verhaftet sind, sei es das der Nationalität, das des Theaters oder das der Akademie. Einerseits stürzt man sich mitten in die ideologische Verblendung, andererseits zerbricht man die Bilder, die Projektionen, die bei Zuschauer und Mitspieler entstehen – daraus wiederum entsteht eine neue Aussage über Selbstherrlichkeit und verwirklichte Anarchie der oberen Zehntausend. Diese machen Regeln, damit das Volk Volk bleibt und nicht Macht wird. Die vierte Wand ist im Reisparteitag Stacheldraht. Zuschauer, die sich ermächtigt fühlen, mitzuspielen, werden konsequent gedemütigt, entmutigt, an die Wand gestellt, vorgeführt, mit Fischkadavern beworfen. Wie weit wagt ein sich selbst als emanzipiert verstehender Zuschauer vor, um die Spielsituation zu verändern ?

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Die Figur des Akteurs entsteht durch das Bespielen, durch das Sich-verhalten zu den Dingen, Figuren, Anekdoten, Texten, Artefakten, die ins Spiel gebracht werden. Die Handlung steht in den Dingen, die Materialität bestimmt das Bewusstsein. Einer, der sich in seinem Leben im Repräsentieren erschöpft und damit das Leiden und die Wunde auszuklammern versucht, geht auch immer ein masochistisches Verhältnis zu seiner jeweiligen Uniform/Verkleidung ein – die Uniform ist Maske und diktiert das Sein im Spiel. Aber auch der Masochismus bekommt im Parteitag eine Bühne – der Sadismus sowieso. Die Handlung steht auch in die Requisite eingeschrieben. Ein Gewehr kann ich abfeuern, als Spielzeug begreifen, als Spielzeug ausstellen, ablecken, jemandem an den Kopf halten, als Strap-On benutzen, etc.. Die Kostüme sind eine postmoderne Collage, deren Bestandteile auf dem Schrottplatz der Geschichte und meist unter dem Gesichtspunkt möglichst großer ideologischer Verirrung aber auch den kapitalistischen Sachzwängen, die ein geringes, bzw. nicht vorhandenes Budget mit sich bringt, ausgewählt werden. Die Handlungsklischees, die ein bestimmtes Kleidungsstück mit sich bringen kann (z. beispielsweise karikaturhaft ausgestellt oder ironisch ignoriert werden, oder gänzlich außer Acht gelassen werden. Es gibt auch kein eigentliches Bühnenbild.

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Die Bühne ist ein „leerer Raum“, der durch sein Sein auch regiehaft und vor allem diktatorisch ins Schauspiel einwirkt, da jede Eigenart des Raumes bespielt werden kann und soll. Ein Novum in der Theatergeschichte ist die Bereicherung und Erweiterung des Spiels durch die olfaktorische Dimension. Das Braten eines Fisches ist ebenso fester Bestandteil des Stückes, wie auch das Verteilen der Reste unter und auf den Zuschauern. Damit verhandelt sich das zynische Individuum zum Publikum, die Kommunikation ist eine Totgeburt und wir würden lieber Stacheldraht zwischen uns und euch ziehen, als weiterhin die Toten zu belästigen. Auch die Belustigung steht nicht im Vordergrund. Klare Hierarchien werden klar reproduziert. Der Spielende hat Spaß, der, der Eintritt zahlt, ist still und sieht zu, die Macht liegt bei der Macht und nicht beim Volk, Spielen ist Macht und man kann nur spielen, wenn die Mauer zum Alltag und zur Banalität groß genug ist. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir Banalitäten und Vulgaritäten „ganz oben“, sei es auf dem Regiestuhl oder im Zentralkomitee, „hinter der Mauer“ zeigen, beleben, verdrehen, pervertieren, reproduzieren. Wir, die Spielenden machen uns schuldig, weil wir es wollen. Ich ist heute ein Anderer. Ich ist mir so fremd es mir möglich ist. Ich erweitere mich um den Anderen, um das Fremde, welches auch immer das Fremde in mir ist. Man könnte sagen: Kenne deinen Feind. Man könnte sagen: Eine bestimmte Geste auf der Bühne, wie z.B. das Heben des rechten Armes ist kein real existierender SS-Offizier.

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Ideologie erschöpft sich nicht im Repräsentieren, auch wenn sie das stets behauptet. Sie behauptet dieses aber gegen jede Vernunft und Menschlichkeit und wird dann, im Behaupten, konkret, körperlich, tätig, gewalttätig. Sie wirkt stets jenseits von sich, wirkt jenseits des eigenen Selbstbewusstseins -und Verständnisses und der Spieler im Parteitag macht sich zum Medium dieser realen, konkreten „Staatsgrenzen“, die jenseits derer liegen, die man auf den offiziellen Karten sieht. Der Parteitag ist ein Medium zum Ausloten der Befindlichkeiten der Gesellschaft, von der wir stets auch Teil sind und deren Schuld gegenüber Menschlichkeit und Frieden auch wir als Spielende mit zu verantworten haben. Mehr noch. Der Reisparteitag spitzt die Schuld zu, holt sie zurück ins Bewusstsein, bekennt sich offiziell zu ihr. Das ist unsere Trauerarbeit – das Schuldbekenntnis, welches der Alltag anscheinend nie im Stande ist zu leisten. Die These ist: Weil er es nicht will. Man könnte sagen: Er kastriert sich in seinem Sein. Er will lieber Bild von sich sein, als er selbst, denn wenn er einmal seine Schuldigkeit eingesteht, dann kann er nicht mehr ungestört er selbst sein, sondern muss sich zwangsläufig ändern, wenn er sich nicht selbst als Unwesen entlarven will.

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Vielleicht ist der Reisparteitag der (auch stets darin scheiternde) Versuch eines Terroranschlags gegen die Verführungskraft der Bilder. Er ist das Hyperbild, die angeschliffene Pointe der totalen und pausenlosen Repräsentation und wenn der Zuschauer dies bemerkt und sich ekelt und vor Ekel den Raum verlässt, dann ist ein Stück von Schillers „Theater als moralische Anstalt“ verwirklicht worden.

Der Tagesspiegel schrieb:

… Die Angst geht um, „freie Szene“ könnte mit Dilettanten verwechselt werden. Also etwa mit der Gruppe Girl to Guerilla, die im Ballhaus Ost den „Reisparteitag“ feiert. Ein nackter Performer hat sich „Hure“ auf die Stirn geschrieben, ein sehr dicker Mann trägt Biene-Maja-Kostüm, es gibt Nazi-Uniformen, reichlich Dosenbier, man schmeißt mit Bifis und Heiner-Müller-Zitaten um sich. Der Wahnsinn. Gut, wenn jetzt Kultursenator Müller käme, um sich mal anzuschauen, was diese freie Szene eigentlich macht, die beharrlich mehr Geld fordert, und er wird von nackten Huren mit Bifis beworfen – da leidet natürlich das Image. …

Die große Staatsverwesung

Die große Staatsverwesung – Familienedition

Die Welt sah schon einmal einfacher aus für Peekachoo und Attila Vidnyanszky. Im fiktiven Estland einer postmodern entgleisten Zeit, treffen sie aus Langeweile und Habgier die Vorbereitungen für einen neuen Krieg. Da vergiftet sich der große Vorsitzende Bashir Al Assad mit einer neuen Droge. Attila und Peekachoo müssen einen neuen Strohmann für den Posten der Vorsitzenden finden, damit die Ordnung im Land aufrecht erhalten bleibt und niemand sie bei ihren teuflischen Plänen stört. Sich in ein Netz aus politischer Intrige, Korruption und Machtbesessenheit einwebend, streben diese „Schattenpäpste“ einem fürchterlichen Sieg entgegen.

Premiere: Juni 2015 im Theater im Kino – Süd (tik süd)

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Es spielen (in order of appearance):
 Onkel Todt: Friedrich Steinlein
 Peekachoo: Christopher Ramm
 Ash Ketchupum: Ernst Strich
 Attila Vidnyanszky: Heidrun Schuq /
Kike Fenz
 Jessy James: Richard Haufe-Ahmels
 Rosenkrantz: Knife Knightbusch
 Güldenstern: Lohmy Lohmeyer
Bühne: Sarah Stührenberg
Sound: Rebecca Laenerts
Dramaturgie: Paul Marwitz
Text und Regie: G.A. Beckmann

Schaum

„Freue dich deines Lebens, Mensch, und freue dich deiner Phantasie.

Lobpreise die gestalterische Fähigkeit, denn sie wird dich durch alle Nöte dieser Welt tragen.

Baue deinen Gedanken eine Arche. Vergesse dich in der Schrift, fliehe dich, denn nur in der Irrealität der Zeichen und Symbole kannst du sein, kannst du atmen.

Freiheit ist fiktiv. Sei Fiktion.

Stürze dich in die Szene und gebe dich auf.

Lass Phantasie dir Haut und Heim sein, dann wird alles Elend von dir abfallen, wie der Fluss vom Stein abfällt, der offenen Auges in seiner Mitte liegt.

Blutschweiß ! Man schlage ihnen ihre Fressen mit schweren Eisenhämmern ein ! Ich will an eurem Denken der flammende Hammer sein, der Blitzkrieg, das Chaos !“

heißt es in G. A. Beckmanns „Schaum“.

Ein Panoptikum der Ideen, des Verworrenen, des poetisch Entrückten ist der Roman, der diesem Projekt zugrunde liegt. Die Welt erkärend bis hin zu „gar nichts“ ist behauptet der Text. Eine Fläche, unbequem, perfekt zum sich-dran-reiben.

Ein Theaterprojekt der Unmöglichkeit, des emotionalen Zugangs, das intellektuelle Verstehen wird ausgeschaltet, das Recht auf Nichtverstädnis eingefordert. Theater muss Spektakel sein! Theater muss wild sein! Theater darf vor nichts zurückschrecken!

Regie: Jan Meyer
Textfassung: Jan Meyer, Andra Born und Isa Eichmann
Mit: Stella Doerenbach, Marie Domning, Zenna Gürgen, Maren Streich und Frauke Thiemann.
Bühne und Kostüm: Sarah Stürenberg

Die Paulsens

Willkommen! Treten Sie ein in die Welt der Paulsens – in der alles real ist.

Nicht unbedingt real, aber Real wie in Reality TV. Hier ist nichts geskriptet. Hier ist alles echt. Im März 2015 ist Mutter Daniela mit ihren Kindern Jörg, Stefan, Tristan und Jennifer und deren Cousin Dieter in die Montagehalle Wedding gezogen. Endlich weg aus Neukölln. Endlich Entspannung. Aber so richtig entspannt geht es in einer Großfamilie eben nie zu. Immer ist etwas.

Und natürlich muss man auch die Nachbarn kennenlernen, einladen, auf dass eine gute Nachbarschaft entstehe beim ein oder anderen Eierlikör. Und dann taucht auf einmal auch noch Onkel Harry auf. Schauen Sie sich den digitalen Auswurf an, lieber hier als im Fernsehen, hier wo alles echt ist, in ihrer eigenen Nachbarschaft und kommen Sie vorbei, wenn die Paulsens das nächste Mal zur Einweihungsparty rufen.

Die Paulsens liegen zwischen echt und überspitzt, lustig und brutal, geschmacklos und inspirierend. Der Besucher kann den Raum erkunden, sich unterhalten und sich einmischen. Die eigene Nachbarschaft wird zur Bühne, die nicht klar gekennzeichnet ist. Die Verschränkungen bei Alltagserfahrung und Fernsehgewohnheit werden aufgezeigt. Empathie oder doch Egalität. Wie viel Witz verbirgt sich darin, das Leid der Anderen zu betrachten.

Performer: G. A. Beckmann, Kike Fenz, Richard Haufe-Ahmels, Knife Knightbusch, Paul Marwitz, Christopher Ramm, Ernst Strich
Als Gast: Jan Meyer.

Rasen mähen

Ein Schauspieler. Ein Soundkünstler. Das Portrait einer Generation.

 

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Wo stehen wir in dieser Welt? Was wird von der jungen Generation erwartet? Was kann sie noch erreichen? Muss sie das weiterführen, was schon da ist? Hat sie überhaupt die Möglichkeit etwas Neues zu schaffen? Heute sind die Fesseln der Gesellschaft so stark wie selten zuvor. Die Erwartungen an Jugendliche, der Leistungsdruck und die Forderung der Individualität und Einzigartigkeit steigen stetig an. Doch wo bleibe ich dabei? Habe ich überhaupt noch eine wirkliche Wahl? Was definiert mich? Wer definiert mich?
Warum will ich mich überhaupt definieren?

„Rasen mähen“ liefert das Bild einer Befindlichkeit. Ein Monolog über den Stillstand und das Weitermachen. Texte über eine Generation, die desillusioniert an etwas festhalten möchte. Das Klammern am Strohhalm des Ich, der so brüchig und unfertig scheint.

Text/Regie: Jan Meyer
Mit: Paul Marwitz (Spiel) und Gero Beckmann (Sound und Spiel)
Regieassistenz: Christopher Ramm
Lichtdesign: Chris Markert

KRITIK DER SAARBRÜCKER ZEITUNG:

Schreiend einfühlsame Beobachtung einer ganzen Generation
Von SZ-Mitarbeiter David Mallinowski
„Rasen mähen“ heißt die Multi-Media-Show, mit der Chris Markert (Licht), Gero Beckmann (Ton), Paul Marwitz (Schauspiel) sowie ihr Autor und Regisseur Jan Meyer ihr Publikum im Theater Überzwerg begeisterten. (Veröffentlicht am 06.08.2013)
Saarbrücken. Diese vier scheinen sich gefunden zu haben. „Rasen mähen“ wird zur schreiend einfühlsamen Beobachtung einer ganzen Generation, weil Chris Markert (Licht), Gero Beckmann (Ton), Paul Marwitz (Schauspiel) und die graue Eminenz Jan Meyer (Regie und Buch) in Symbiose aufblühen.

Nie geraten sie ins Stocken, selbst wenn Marwitz stotternd monologisierte Erinnerungen an die Kindheit aufsagt. Das Stück beginnt mit dem Einlass am Hinterausgang der Probenbühne des Theaters Überzwerg: vorbei am hoch konzentrierten Marwitz nimmt der Zuschauer seinen Platz ein – und wird eingesogen in den Schaffensprozess von Jan Meyer.

Vor dem inneren Auge kann man ihm beinahe über die Schulter sehen: die Nächte am Schreibtisch zubringend, lethargisch, depressiv beim Versuch, die Ratlosigkeit seiner Generation aufzuschreiben. Er zeigt die Innenansicht eines jungen Künstlers, der, nach Charlie Chaplin, je mehr er andere bespaßt nur von umso mehr Traurigkeit befallen wird. Das Dilemma des Jungkarrieristen, wenn beim Wegfeiern der Sorgen Bier und Zigarette nicht mehr schmecken wollen. Er zeigt zermürbende Einsamkeit, lähmende Lethargie – die in Selbsthass gipfelt.

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Wie auf Knopfdruck rezitiert Marwitz diese Textfragmente, ohne, dass es einstudiert wirkt. Genial: Gero Beckmann, der nicht nur über Mikrofon das nächste Kapitel befiehlt („Tanzen! Laufen! Atmen! Trinken!“), sondern bewaffnet mit iPad und Loopgerät einen undurchdringlichen Musikvorhang ausbreitet. Den Blick bis zur Wahnsinnigkeit auf Marwitz gerichtet, ist er es, der ihn immer wieder in die Knie zwingt.

Chris Markerts Lichtkomposition wirkt da fast schon besänftigend, weil sie sich nicht aufdrängt, sondern sich einfügt. Einfache Mittel, große Wirkung. Dennoch: Die Anerkennung des Publikums akzeptieren die vier Künstler nicht. Der Zuschauer applaudiert vor leerer Bühne.

Meyers „Rasen mähen“ ist der zweite Programmpunkt des Daarler Theatersommers im Theater Überzwerg, der den August bis zur Spielzeiteröffnung am Monatsende überbrückt. Saarland-Kabarettist Detlev Schönauer hat das Ferienprogramm eröffnet, in den kommenden Wochen erweisen die Überzwerge Georg Büchner, Wilhelm Busch und Richard Wagner ihre Reverenz, bis am 25. August beim Hoffest das neue Programm vorgestellt wird.

Der Welt ein Ende

Eine Koproduktion mit dem Ackerstadt Palast

Europa brennt, hat gebrannt, ist abgebrannt. Die Welt, die wir schufen, war unserer so überdrüssig, dass sie Öl aus ihren Wüsten kotzte und Methan aus der russischen Tundra furzte.

Nun trudeln wir dem Ende entgegen. Nach dem Inferno ist an einen Neuanfang nicht zu denken.

Die letzten Überlebenden drehen sich im Kreis, fest verhaftet in ihren eingefahrenen Ideologien sind sie nur zu dem fähig, was sie gelernt haben.
Mit ihrem Misstrauen, ihrem Hass und ihrer Zerstörung treiben sie dem Ende entgegen.

„Der Welt ein Ende“ ist dystopisches Diskurstheater zwischen Ästhetik und Theorie.

Regie: Knife Knightbusch
Regieassistenz: Lores
Nach dem Stück: „Klaus, Barbie und Ken“ von G.A. Beckmann
Bühne: Anne Hübschmann
Es spielen: Anete Colacioppo, Ernst Strich, G.A. Beckmann, Lores
Musik: Organic Milk Baby

Girl to Guerilla ist ein Theaterkollektiv, das zu großen Teilen aus der Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin kommt.

Dadurch entsteht eine starke Verknüpfung von Theorie und Praxis, aktuelle Themen und Diskurse werden auf die Bühne gestellt und dort reflektiert.

Die verwendeten Texte stammen zumeist aus eigener Feder und werden kollektiv inszeniert.

So blickt das Theaterkollektiv seit seiner Gründung 2011 schon auf eine Vielzahl von Theaterproduktionen zurück.

Neben den Stücken, die entstanden sind, gelangen auch immer wieder Formen von Performance, Lesung, Konzert und allerhand Mischformen auf die Bühne.