Rasen mähen – Presse

Schreiend einfühlsame Beobachtung einer ganzen Generation
Kritik der Saarbrücker Zeitung
Von SZ-Mitarbeiter David Mallinowski
Veröffentlicht am 06.08.2013

“Rasen mähen” heißt die Multi-Media-Show, mit der Chris Markert (Licht), Gero Beckmann (Ton), Paul Marwitz (Schauspiel) sowie ihr Autor und Regisseur Jan Meyer ihr Publikum im Theater Überzwerg begeisterten.

Saarbrücken. Diese vier scheinen sich gefunden zu haben. “Rasen mähen” wird zur schreiend einfühlsamen Beobachtung einer ganzen Generation, weil Chris Markert (Licht), Gero Beckmann (Ton), Paul Marwitz (Schauspiel) und die graue Eminenz Jan Meyer (Regie und Buch) in Symbiose aufblühen.

Nie geraten sie ins Stocken, selbst wenn Marwitz stotternd monologisierte Erinnerungen an die Kindheit aufsagt. Das Stück beginnt mit dem Einlass am Hinterausgang der Probenbühne des Theaters Überzwerg: vorbei am hoch konzentrierten Marwitz nimmt der Zuschauer seinen Platz ein – und wird eingesogen in den Schaffensprozess von Jan Meyer.

Vor dem inneren Auge kann man ihm beinahe über die Schulter sehen: die Nächte am Schreibtisch zubringend, lethargisch, depressiv beim Versuch, die Ratlosigkeit seiner Generation aufzuschreiben. Er zeigt die Innenansicht eines jungen Künstlers, der, nach Charlie Chaplin, je mehr er andere bespaßt nur von umso mehr Traurigkeit befallen wird. Das Dilemma des Jungkarrieristen, wenn beim Wegfeiern der Sorgen Bier und Zigarette nicht mehr schmecken wollen. Er zeigt zermürbende Einsamkeit, lähmende Lethargie – die in Selbsthass gipfelt.

Wie auf Knopfdruck rezitiert Marwitz diese Textfragmente, ohne, dass es einstudiert wirkt. Genial: Gero Beckmann, der nicht nur über Mikrofon das nächste Kapitel befiehlt (“Tanzen! Laufen! Atmen! Trinken!”), sondern bewaffnet mit iPad und Loopgerät einen undurchdringlichen Musikvorhang ausbreitet. Den Blick bis zur Wahnsinnigkeit auf Marwitz gerichtet, ist er es, der ihn immer wieder in die Knie zwingt.

Chris Markerts Lichtkomposition wirkt da fast schon besänftigend, weil sie sich nicht aufdrängt, sondern sich einfügt. Einfache Mittel, große Wirkung. Dennoch: Die Anerkennung des Publikums akzeptieren die vier Künstler nicht. Der Zuschauer applaudiert vor leerer Bühne.

Meyers “Rasen mähen” ist der zweite Programmpunkt des Daarler Theatersommers im Theater Überzwerg, der den August bis zur Spielzeiteröffnung am Monatsende überbrückt. Saarland-Kabarettist Detlev Schönauer hat das Ferienprogramm eröffnet, in den kommenden Wochen erweisen die Überzwerge Georg Büchner, Wilhelm Busch und Richard Wagner ihre Reverenz, bis am 25. August beim Hoffest das neue Programm vorgestellt wird.

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